Besser als alle Theorie können Geschichten von Menschen, die eine Essstörung haben oder hatten, vermitteln, was diese Erkrankung wirklich bedeutet. Einige unserer Klienten haben ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Die ehrlichen und persönlichen Texte sollen Betroffenen und Angehörigen Mut machen, ihren Weg aus der Essstörung zu finden.

 


Eine 28-Jährige irrte von einer Beratungsstelle zur nächsten. Nirgends fühlte sie sich mit ihren Problemen ernst genommen. Bis sie beim Therapienetz Essstörung landete.

 

"Meine ersten Therapie-Erfahrungen waren abschreckend - noch heute erinnere ich mich mit Grauen an die Gespräche, die ich mit einer Therapeutin in der Beratungsstelle an meiner Uni in Passau hatte. Und auch der zweite Versuch bei einer anderen Beratungsstelle war mehr als ernüchternd.

 

Ich fühlte mich unverstanden, nicht ernst genommen und hatte den Eindruck, dass ich mich permanent rechtfertigen musste, warum ich solche Probleme mit dem Essen hatte. Dabei wollte ich gerade das ja herausfinden. Mir erst einmal einzugestehen, dass ich eine Essstörung habe, und zu einer Beratungsstelle zu gehen, war eine riesige Hürde.

 

Aber schon der erste Kontakt zum Therapienetz Essstörung machte mir Mut - keine überflüssigen Fragen, und zugleich hatte ich das Gefühl, dass der Ernst meiner Lage sofort erfasst wurde. Im persönlichen Gespräch konnte ich zum ersten Mal alle meine Sorgen, Zweifel, Fragen aussprechen und herausweinen, ohne das Gefühl zu haben, mich dafür schämen zu müssen. Die herzliche Atmosphäre in der Beratungsstelle und das Gefühl, willkommen zu sein und ernst genommen zu werden, verstärkten den positiven Eindruck. Endlich hatte ich das Gefühl, am richtigen Ort gelandet zu sein und die Hilfe zu bekommen, die ich benötigte.

In den Folgeterminen habe ich nicht nur über meine Essstörung gesprochen, sondern das Problem wurde gleich in Angriff genommen, mir wurden Lösungswege aufgezeigt, und ich wurde in die richtige Therapie vermittelt.

 

Nach drei Jahren Therapie fühle ich mich heute gesund und lebendig, ich habe gelernt, mein Leben zu genießen, und ich habe wieder Freude am Essen. Der lange und mitunter harte Weg hat sich gelohnt. Ohne das Therapienetz Essstörung würde ich vielleicht nicht da stehen, wo ich heute bin. Es lohnt sich also, nicht aufzugeben!"

 


Sie machte sich große Sorgen um ihre magersüchtige Tochter. Mit Hilfe des Therapienetzes Essstörung konnte die Mutter endlich loslassen. Die Tochter lässt sich therapeutisch behandeln, ihr Zustand hat sich deutlich verbessert.

 

"Im letzten Sommer war ich drei Mal bei Ihnen in der Beratung wegen meiner magersüchtigen Tochter. Ich würde Ihnen gerne mitteilen, was aus ihr bzw. mir geworden ist. Dank Ihrer guten Beratung und der wichtigen Fragen, die Sie mir gestellt haben, konnte ich meine Tochter trotz großer Angst und Sorge um ihr Leben alleine ihren Weg gehen lassen.

Wie es aussieht, hat sie schon viel erreicht. Sie konnte im Oktober in eine psychosomatische Fachklinik gehen und wird dort noch mindestens sechs Wochen bleiben. Die Therapien bekommen ihr gut, sie kann und will sich darauf einlassen.

Es war wirklich höchste Zeit, der Körper hätte nicht mehr lange standgehalten. Ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar."


Eine 25-Jährige hatte nicht damit gerechnet, beim Beratungsgespräch sofort an eine Klinik verwiesen zu werden. Im Rückblick sagt sie: "Das war das Beste, was ich machen konnte."

 

"Als ich mich endlich dazu durchgerungen hatte, eine Beratungsstelle aufzusuchen, habe ich bei  der Beratungsstelle im Therapienetz Essstörung die Hilfe gefunden, die ich mit meiner Magersucht damals gebraucht habe.
Ich war zwar zuerst tief geschockt, als man mir dringlichst empfohlen hat, schnellstmöglich in eine Klinik zu gehen, aber im Nachhinein war es das Beste, was ich machen konnte.
Die Aufnahme in die Klinik und die Abwicklung mit der Krankenkasse hat durch die Vernetzte Versorgung (Integrierte Versorgung, igv) reibungslos und in kurzer Zeit geklappt. Hier habe ich wieder "gelernt" zu essen, wieder begonnen, Spaß am Leben zu haben und an meinen Problemen zu arbeiten.
Nach dem Klinikaufenthalt ging es mir körperlich und seelisch schon wieder viel besser. Anschließend habe ich eine Gruppentherapie beim Therapienetz Essstörungen begonnen. Meine Gruppe gibt mir seither Halt und Sicherheit. Hier kann ich Ich sein, meine Gefühle auch mal herauslassen und mich mit den anderen Frauen austauschen."


Ein Mann schildert seinen langen Weg aus der Essstörung. Früher hungerte er, um gemocht zu werden. Heute steht für ihn fest: Es gibt Wichtigeres als einen makellosen Körper.

 


"Als ich mit Anfang zwanzig extrem Übergewicht hatte, merkte ich immer mehr, wie schlimm dies für mich war. In meinem damaligen ´Freundes- und Bekanntenkreis´ wurde ich oft darauf angesprochen und gefragt, wann ich denn nun endlich abnehmen würde. Ich fühlte mich entwertet und aus allem ausgeschlossen. Niemand interessierte sich für mich, ich war dick, fühlte mich zu nichts zugehörig, wegen meines Körpers ausgeschlossen aus der Welt der ´normalen´ Menschen.
Ende der 80-er Jahre begann ich abzunehmen, ich verlor erst 20 dann 30 und später fast 40 Kilo an Gewicht. Über fast zwei oder drei Jahre ernährte ich mich ausschließlich von Quark und Magerjoghurts, trank nur Wasser und versuchte alles zu vermeiden was ´dick´ machte. Ich bekam von meiner Umwelt immensen Zuspruch, wie toll ich nun ausschauen würde, und endlich hatte ich es geschafft.
Während dieser Zeit konnte ich kaum aufrecht gehen, hatte ständig Kreislaufprobleme und bin mehrmals kollabiert. Meine Umgebung merkte davon nichts. Ich war gut im Verbergen. Essen bzw. Nicht-Essen bestimmte mein Leben. Ich entwickelte Strategien, Pläne und Strukturen, wie ich noch mehr abnehmen könnte. Zählte Kalorien, fühlte mich mies und zu nichts zu gebrauchen, als Versager, wenn ich 100 Gramm zugenommen hatte. Monatelang lebte ich von Gemüse, Früchten und Joghurts. Ich wurde immer schwächer, immer lebloser und verlor langsam den Bezug zu mir selber. Mit 56 Kilo war mein Leben bestimmt von Schwindelanfällen und Heißhunger, ich hatte mich fast in eine ´Euphorie´ gehungert. Vor allem aber fühlte ich mich ständig dick, dick, dick.
Ich kam zur Beratungsstelle über eine Freundin, die mich auf mein (nun Unter-)gewicht ansprach. In den damaligen Therapiegruppen lernte ich (endlich) die tieferen Ursachen der Essstörung kennen. Für mich war es der Selbstwert, der mir abhanden gekommen war. Ich lernte langsam wieder einen ´normaleren´ Umgang mit Essen, verlor auch allmählich die Angst zuzunehmen und vor allem das schlecht Gewissen, ´verbotene´ Nahrungsmittel zu essen. Damit war ich aber noch lange nicht gesund. Viele Therapien, über lange Jahre waren notwendig. Es ging darin nicht immer um Essen, aber immer um mein Selbstwertgefühl, das ich in meiner Kindheit verloren hatte.
Über die Jahre hatte ich Höhen und Tiefen, oft auch wirkliche Rückschläge und das Essen bzw. Nicht-Essen bestimmte mein Leben. Es war sehr anstrengend und destruktiv, immer alles zu verbergen. Seit einiger Zeit merke ich, dass mich das ganze Thema nicht mehr so bestimmt. Ich kenne mich langsam besser und weiß, dass ein zufriedenes und harmonisches Leben nicht vom Gewicht abhängt. Auch habe ich dies in Beziehungen mit Freunden und Partnern festgestellt. Eine Einladung zum Kochen oder ein Besuch in einem Restaurant sind für mich nun keine Horrorvorstellungen mehr. Ich freue mich jetzt darauf und finde nichts mehr dabei, so viel zu essen bis ich wirklich satt bin. Ein Kilo mehr oder weniger, naja, macht nichts. Ich habe schon länger damit aufgehört Kalorien zu zählen. "Verbotene" Nahrungsmittel haben ihre Bedrohung verloren. Ein richtig tolles Eis im Sommer finde ich toll, besonders die Sahne obendrauf!!!
Meine Einstellung hat sich geändert: Es gibt Wichtigeres im Leben als einen makellosen Körper. Mein Leben ist entspannter und realistischer geworden, doch es erfordert immer wieder das Bewusstsein und das Reflektieren darüber.
Unsere Umwelt ist voller Verlockungen und Angebote, die uns glauben machen, wir werden mehr gemocht, wenn wir einem Ideal, sprich Idealgewicht, entsprechen."

 
 
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