Umgang mit Betroffenen

Informationen und Tipps für Angehörige

 

Für Menschen mit Essstörungen, vor allem für Jugendliche, ist es ungeheuer wichtig, dass sie von anderen angesprochen werden. Ihre eigene Wahrnehmung ist verzerrt, und da die Essstörung ihnen in der aktuellen Situation noch viele Vorteile bringt, verdrängen sie meist den Blick auf die Nachteile und Gefahren.

 

Menschen, die an einer Essstörung leiden, brauchen den Blick von außen, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmt und dass sie Hilfe benötigen. Besonders Jugendliche sind auf diese Ansprache angewiesen. Oft bewegt ein Gespräch mit Freunden oder Lehrkräften den Jugendlichen dazu, zu uns in die Beratung zu kommen.

 

Was Sie tun können, damit ein solches Gespräch gelingt:

 

Atmosphäre
Sorgen Sie für eine geschützte Atmosphäre, in der Sie ungestört unter vier Augen sprechen können.


Vorbereitung
Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor, indem Sie Ihre Beobachtungen notieren: Was ist Ihnen aufgefallen? Was hat sich verändert? Was macht Ihnen Sorge? Vielleicht möchten Sie sich mit einer anderen Person, die ebenfalls in Sorge ist, vorher darüber austauschen. Gerne können Sie sich auch uns wenden und das Gespräch in der Telefon- oder Mail-Beratung mit uns vorbesprechen.


Botschaften
Beginnen Sie sehr persönlich und vermitteln Sie Ich-Botschaften: "Ich wollte unbedingt mit dir sprechen, weil ich mir gerade wirklich große Sorgen um dich mache."


Beobachtungen
Schildern Sie die Beobachtungen, die zu Ihrer Sorge geführt haben. Beginnen Sie dabei nicht mit den Veränderungen im Gewicht und im Essverhalten, sondern beschreiben Sie zunächst die Veränderungen in der Stimmung (bedrückt, traurig, gereizt), im Sozialverhalten (Rückzug), körperliche Veränderungen (Blässe, Kopfschmerzen).


Wertschätzung
Nehmen Sie Ihr Gegenüber ernst, seien Sie wertschätzend. Fragen Sie nach und hören Sie aufmerksam zu: "Wie erlebst du das denn?", "Was fällt dir denn auf?", "Wie geht es dir damit?"


Nachfragen
Fragen Sie nach den Problemen hinter der Essstörung: "Gibt es zur Zeit etwas, was dich belastet?", "Was ist denn gerade so los bei dir?", "Hast Du eine Idee, wozu du das Hungern/Essen/Erbrechen brauchst?"


Veränderungswunsch
Versuchen Sie herauszufinden, ob der/die Betroffene zumindest teilweise eine Krankheitseinsicht, einen Leidensdruck, einen Veränderungswunsch hat. Falls ja, machen Sie ein konkretes Angebot: Schildern Sie die Möglichkeit eines Beratungsgespräches und bieten Sie an, bei der Terminvereinbarung zu helfen und zur Beratung zu begleiten.

Falls nein, betonen Sie nochmals Ihre Sorge und kündigen Sie ein weiteres Gespräch in einiger Zeit an. Haben Sie Geduld und erwarten Sie nicht zu viel - manchmal braucht es mehrere solcher Gespräche über einen Zeitraum von mehreren Monaten. In jedem Falle ist es gut, einen Zettel mit der Mail-Adresse parat zu haben und die Möglichkeit einer Mail-Beratung zu erwähnen. Viele Jugendliche schreiben uns Mails, auch wenn sie noch lange nicht zu einem persönlichen Gespräch kommen würden.


Verantwortung
Fühlen Sie sich nicht dafür verantwortlich, ob der oder die Betroffene den Weg in die Beratung bzw. aus der Essstörung heraus findet. Wenn Ihr Angebot angenommen wird, ist es wunderbar. Wenn nicht, ist das nicht Ihr persönlicher Misserfolg, sondern Sie haben das getan, was Sie tun konnten.


Eigene Rolle
Versuchen Sie nicht, die Therapeutenrolle zu übernehmen. Ob in der Familie, Schule oder im Freundeskreis - hier ist der Ort von Ansprache, Ermutigung, Motivation, aber das sind keine Orte für Therapie. Damit würden Sie sich völlig überfordern.


Hilfe für Eltern oder Partner
Wenn Sie als Eltern oder Partner mit einer Person mit Essstörung zusammenleben, brauchen Sie selbst Unterstützung. Angehörige fühlen sich meist hilflos, überfordert und verwirrt von ihren heftigen und widerstreitenden Gefühlen: Ängsten, Schuldgefühlen, Aggressionen.


Ein Beratungsgespräch für Sie als Angehörige kann Ihnen helfen, diese Gefühle zu klären und zu schauen, ob Sie vielleicht Paar- oder Familientherapie oder ein Elternseminar in Anspruch nehmen möchten. Auch entwickeln Angehörige bei einer Essstörung automatisch Verhaltensmuster, mit denen sie helfen möchten, aber oft unwillentlich die Essstörung verstärken. Diese Verhaltensabläufe in einer Familie können im Angehörigen-, Paar- oder Familiengespräch miteinander aufgedeckt, Veränderungsmöglichkeiten können erarbeitet werden.

 

 

 

 

 

 
Sie machte sich große Sorgen um ihre magersüchtige Tochter. Mit Hilfe des Therapienetzes Essstörung konnte die Mutter endlich loslassen. Die Tochter lässt sich therapeutisch behandeln, ihr Zustand hat sich deutlich verbessert. mehr...
 
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